Sonntag, 1. Januar 2017

Neujahrsgedanken

Es ist fast halb elf. Morgens.
Ich bin wach, obwohl ich gestern mit einer Freundin feiern war und erst um fünf eingeschlafen bin, und laufe durch den Park zum Bahnhof.

Es ist still.
Die Sonne scheint durch die Bäume und wirft lange Schatten. Und dort, wo keine Schatten sind, glitzert der Reif. Gelegentlich höre ich das Rauschen eines Autos, manchmal sehe ich in der Ferne einen anderen Menschen. Irgendwo hämmert ein Specht gegen einen Baum. Gleichmäßig, ruhig.
So anders ist alles, als letzte Nacht.

Eine ganze Nacht lang feiern die Menschen das, was im Bruchteil einer Sekunde passiert: Die Änderung einer Zahl. Feuerwerk schmückt den Himmel, eine wirklich schöne Tradition, Rückblicke werden gemacht und neue Vorsätze getroffen.
Und obwohl mein Jahr schön war, habe ich beschlossen nicht zurückzublicken. Nicht an Silvester. Ich erinnere mich an meine schönen Erlebnisse, wenn ich es für richtig halte. Ich erinnere mich aber auch nicht an die schlechten Dinge, die auf der Welt im Jahr 2016 geschehen sind. Ich habe einfach keine Lust dazu.
Denn nichts wird sich ändern. Viele sagen, dass es das Jahr nicht gut mit uns meinte. Aber das stimmt nicht, die Zeit kann nichts dafür. Sie ist nur unser System, das einzige, was auf dieser Welt funktioniert. Stetig geht sie weiter und ist somit die Ordnung, nach der wir uns alle richten.
Die Menschen meinten es im letzten Jahr nicht gut mit uns. Und die Menschen werden sich mit der Änderung des Datums nicht ändern.

Auch ich nicht, weshalb ich mir auch keine Vorsätze machen wollte. Ich werde mich nicht gesünder ernähren und Vorsätze, die auf alle Fälle eintreffen, brauche ich mir nicht aufzustellen, z.B. dass ich mehr in Theater gehen möchte (ich habe nämlich schon drei Tickets für verschiedene Aufführungen).

Der Specht ist jetzt ganz nah. Ich sehe hinauf zu den Bäumen, kann ihn aber nicht finden.
Auch für ihn hat sich nichts geändert, er freut sich einfach, dass es still ist und die Sonne scheint. So wie ich.
Die Welt sollte öfter so still sein wie am Neujahrsmorgen.

Und da fällt mir doch ein Vorsatz ein: Mehr raus gehen, an Orte, wo es still ist. Einfach, um meine Gedanken zu sortieren und die Aufgaben, die auf mich warten, ruhen zu lassen.

Ich komme am Bahnhof an, kaufe mein Ticket.
Zug verpasst.

Mist, denke ich, jetzt schaffe ich nicht mehr alles, was ich machen wollte!

Und nach kurzem Ärger, beschließe ich schon jetzt meinen guten Vorsatz einzuhalten. Ich werde jetzt nicht am lauten Bahnhof eine Ewigkeit auf den Zug warten und mir Gedanken darüber machen, was ich alles hätte schaffen können. Es ist jetzt eh zu spät. Aber die Zeit kann nichts dafür.

Also gehe ich zurück in den Park, auf dem Weg zu meiner Freundin. Ich laufe langsam und lasse die Aufgaben hinter mir.


Kommentare:

  1. Hey, ich habe gerade deinen Blog entdeckt und finde ihn wirklich toll! ich bin gleich als Leserin geblieben:) Ich würde mich wirklich sehr freuen wenn du auch mal bei mir vorbeischauen würdest :) Lg, Aileen. meinlebenvollerbuecher.blogspot.de

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    1. Vielen Dank, ich werde gleich mal bei dir vorbei schauen =D

      Liebe Grüße
      Luisa

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  2. Hei Luisa,

    dir erst einmal ein gesundes neues Jahr!
    Ich habe mir für dieses Jahr viel vorgenommen, was ich schaffen möchte. Aber Vorsätze habe ich mir keine gestellt. Wenn meine Pläne gelingen, dann ist es gut und wenn nicht, dann bietet sich sicherlich etwas anderes.

    Jahresvorsätze haben bei mir noch nie funktioniert. Ich glaube es liegt daran, dass ich mir auf Krampf immer etwas ausdenke, was im neuen Jahr klappen soll, was ich schon immer wollte, wofür ich aber eigentlich nicht der Typ bin.
    Die einen versuchen eben mehr Sport zu treiben und sind einfach Couchpotatos, andere wollen weniger am PC sitzen und ihr Hobby sind nunmal Technik und Computerspiele und ich versuche oft mehr Ordnung zu halten und strukturierter zu sein und bin einfach von Natur aus chaotisch...

    Darum genieße ich Punkt 12 einfach das Feuerwerk. Sollen andere denken: "Boar mist, ab jetzt muss ich jeden Tag Salat essen" :D

    Liebe Grüße > sara

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    1. Danke, das wünsche ich dir auch!
      Und ja, so ist es. Sich wegen etwas stress zu machen, was nach spätestens einer Woche eh wieder hinfällig ist, ist einfach nur unnötig. =D

      Liebe Grüße
      Luisa

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