Freitag, 24. Januar 2014

Irgendwo alleine am Bahnhof

Ich lasse mich auf eine der Bänke fallen und beiße in mein Kartoffelbrötchen.
Die Temperatur sind höher als gestern, aber trotzdem treibt mir der kalte Wind Tränen in die Augen.
Das Knuspern, das entsteht, wenn ich auf der viel zu harten Kruste meines Brötchens kaue, erfüllt die Luft um mich herum.
In der Ferne sehe ich Baugeräusche.
Ich sehe auf.
Beinahe vor mir, auf dem Bahnhofsgebäude, stehen zwei Bauarbeiter, die sich mit einem sächsischen Dialekt unterhalten.
Sie sind nur einige Meter von mir entfernt und trotzdem hören sie sich weit weg an.
Ein Mädchen, vielleicht etwas älter als ich, lässt sich neben mich fallen.
Sie hat gerade ihre Zigarette aufgeraucht, aber sie riecht nicht wirklich danach.
Eher nach einem alten Buch, das den Geruch des Rauches aufgenommen hat, der mit der Zeit aber immer mehr verblasste.
Ich mag den Geruch.
Irgendwie.
Sie bürstet ihr dunkles, kreativ geschnittenes Haar.
Dann blättert sie in einem Prospekt.
Ich esse weiter mein Brötchen.
Es ist gleichzeitig mein Mittagessen, auch wenn halb Elf noch etwas früh ist.
Ich beobachte die Bauarbeiter und die Leute am Gleis gegenüber.
Ich bin allein.
Aber nicht einsam.
Wir sind alle zusammen allein.
Irgendwo versunken in unseren Gedanken.
Unserer Arbeit.
Das macht alles ... irgendwie ... erträglich.
Und schön.

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